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DJC Bouldern: Kletterinnen des TV Ransbach erfolgreich


 

Enya Hilpert und Rebecca Praass freuen sich über gute Platzierungen unter den Besten Deutschlands

 

Es herrscht dichtes Gedränge, die Luft ist zum Schneiden dick, in den Lichtkegeln schimmern die Staubpartikel des „Chalks“, der Kreide für die Finger, und der Kommentator feuert gerade eine ambitionierte Kletterin an: „Auf, jetzt packst Du das!“. Die Qualifikationsrunde der Jugend A des 1. Deutschen Jugendcups in der Disziplin Bouldern hat begonnen. Mitten im Getümmel kämpfen auch die beiden Mädels der DAV Sektion Koblenz, Rebecca Praass aus Hillscheid und Enya Hilpert aus Ransbach-Baumbach.

Dass die beiden für diesen wichtigen Wettkampf schon im Vorfeld besonders viel trainiert haben, zahlt sich aus. Schnell zeigt sich, die beiden können mit der Konkurrenz ganz gut mithalten.  Fünf Boulderprobleme sollen sie bewältigen.

Bouldern, das ist Klettern ohne Seilsicherung bis zu einer Höhe von gut 4 Metern. Stürze werden durch eine dicke Matte abgefedert. Punkte gibt es für das Erreichen des Zonengriffs, der sich meistens auf halber Höhe befindet, und für das sichere Halten des Topgriffs. Zusätzlich kann die Anzahl der Versuche rangentscheidend sein. Geklettert wird an künstlichen Wänden in der Halle. Oftmals sind da nicht einzelne Griffe an die Wand geschraubt, vielmehr wird natürlicher Fels mit riesigen Plastikvolumen nachgeahmt. Das Starterfeld wächst von Jahr zu Jahr, es gibt immer mehr Kletterbegeisterte. Mehr als 30 Mädchen  kämpfen  in Frankfurt um den Sieg der Jugend A. Manche von ihnen packen gerade noch knapp den Zonengriff, bevor sie von der Wand fallen, andere erreichen ihn locker in geschmeidigen Bewegungen, scheinbar mühelos – der Topgriff scheint dann aber doch in unerreichbarer Ferne zu liegen. Beide bekommen am Ende dieselbe Punktzahl. Wer es lockerer packt, dem bleibt aber mehr Kraft für den nächsten Boulder.

Enya Hilpert „flasht“ den blauen Boulder: Sie steigt direkt im ersten Versuch bis zum Topgriff durch. Das gelingt Rebecca immerhin  im zweiten Versuch. Geschafft, die beiden geben ihre Laufkarte direkt beim Nachbarboulder ab. Der ist schwarz und hat es in sich. An einer Kante ziehen sich die beiden hoch. Das sieht wesentlich schwerfälliger aus. So bleibt es auch nach mehreren Versuchen bei der Zonengriffwertung. Immerhin, so weit kommen manche andere nicht. Weiter geht es zum grünen Boulderproblem. Scheinbar mühelos schwingen sich die beiden waagerecht an den Untergriffen zum Zonengriff, Beine hochstellen und hochstützen. Die Erdanziehungskraft ist größer, immer wieder fallen die beiden nach dem Antippen des Topgriffs auf die Matte. Enya befreit mit einer verlängerten Klobürste die Griffe vom festsitzenden Chalk, dass sich die Kletterer an die Hände pudern, um die Rutschfestigkeit zu erhöhen. Weiter kommt sie deswegen aber nicht. Doch dann packt es Rebecca gerade noch so: mit den Fingerspitzen streckt sie sich an den Topgriff, erreicht ihn und hält die Luft an: Das reicht. Der Schiedsrichter gibt ihr das OK.

Die beiden wechseln zum benachbarten Boulder. Der hat es in sich. Nur sehr wenige kommen wirklich bis ganz oben. Die beiden müssen ihren Körper S-förmig verdrehen und sich an der Kante entlangschlängeln. Der Moderator kommentiert: „Jetzt die Beine wieder sortieren, prima!“. Oben wird es richtig verflixt. Die Kraft der Arme reicht hier nicht aus, der linke Fuß muss ganz nach oben um die Kante verklemmt werden, es gilt also, einen „Hook“, einen Haken, zu setzen. So kann sich der Kletterer an seinem eigenen Fuß hochziehen. Nun nach oben greifen – aber beide fallen immer wieder herunter. Das ist leider knapp, aber nach vier Versuchen ist Schluss. Fehlt noch der schwarze Boulder mit den großen runden Volumen. Hier ist viel Gleichgewichtssinn gefragt. Enya kommt bis an die Zone – die Punkte sind schon mal gesichert. Rebecca kippt zu früh von der Wand. Enyas weitere Versuche scheitern zunächst auch – doch dann läuft es auf einmal wie geschmiert: Während über die Lautsprecher Enyas Lieblingssong läuft, ist alles plötzlich ganz mühelos. „Auf einmal wusste ich, ich komme da hoch!“ Eine Kameradin aus dem Landeskader Rheinland-Pfalz möchte das Erfolgsrezept erfahren und erhält als Antwort: „den Fuß gerade gegen die Wand setzen, dann einfach nach links lehnen!“ So einfach ist das.

Fazit des Tages: Rebecca Praass hat zwei Boulder getoppt und die Punkte für zwei Zonengriffe bekommen. Das reicht ihr für einen 16. Platz. Sie befindet sich damit in der besseren Hälfte des Teilnehmerfeldes. Enya Hilpert profitiert von weniger Versuchen für ihre Topbegehungen und drei Zonengriffen und kommt auf Rang 14. Ein sehr motivationsfördernder Platz, denn die Top Ten ist in Sichtweite. Für die besten zehn gibt es anschließend noch vier Finalboulder, um die wahre Stärke zu beweisen. Was die besten Kletterinnen und Kletterer Deutschlands hier zeigen, ist bewundernswert und spannend:  Luis Gerhardt aus Karlsruhe hängt quer vor den letzten zwei Zügen, ruht sich offenbar aus, holt sich noch einmal Chalk aus seinem Beutel, der an seiner Hüfte baumelt, pustet die überschüssige Kreide weg, die in einer großen Staubwolke davonschwebt, und holt aus. Er schwingt hoch, greift den vorletzten Griff – und fällt. Das Rennen gewinnt Alexander Averdunk aus München.

Bericht von Britta Hilpert

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